AADR - Hilfsprojekte

Der Verein AADR e. V. hat sich zum Ziel gesetzt, bedürftige Menschen in der 4-Millionen-Stadt in Kamerun unmittelbar dabei zu unterstützen, eine eigene Existenz aufzubauen. 

Es werden insbesondere alleinstehende Frauen mit Kindern darin angeleitet, ihren Fähigkeiten und Begabungen entsprechend, den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Zusätzlich werden ihnen als Starthilfe nötige Arbeitsgeräte, zu veräußernde Waren und die Miete für einen kleinen Laden (Kiosk) finanziert. Die Mütter erlernen somit, durch den Verkauf von Waren oder einer Dienstleistung eigenes Geld zu verdienen. Hiermit bestreiten sie ihren und den Lebensunterhalt ihrer Kinder. Durch deren Schulbesuch und Ausbildung soll der Teufelskreis der Armut durchbrochen werden.

Aufgrund der Präsenz von Marcel Ayissi Atangana in Kamerun seit November 2014 konnten inzwischen zahlreiche Projekte erfolgreich gestartet werden. Lediglich für einige Wochen im Jahr kommt er nach Deutschland, um den Vereinsmitgliedern Bericht zu erstatten, Probleme zu erörtern und natürlich um "aufzutanken". In Kamerun arbeitet Herr Ayissi ehrenamtlich gemeinsam mit einem Assistenten in einem kleinen Büro (Foto), so dass die inzwischen selbständigen Mütter bei Problemen und Fragen jederzeit einen Anlaufpunkt haben. 

Marcel Ayissi Atangana (li) mit seinem
 Assistenten Josef Tsoungui


Der Beginn...

Durch Freundschaft kam der Kontakt zu dem Leiter eines privat gesponserten Obdachlosenheims für  Mütter in Not zustand. Vor 3 Jahren (März 2015) werden die ersten zwei Mütter aus dem Obdachlosenheim in Jaunde -eine ausgebildete Friseurin und eine mit Schneiderei-Kenntnissen- unterstützt.
Während eines Erstgespräches wird ein Personalbogen ausgefüllt, die familiäre Situation geklärt und festgestellt, ob ausreichende Gesundheit und Motivation vorhanden sind Eine einwöchige Schulung wird vereinbart, 2-3 Stunden täglich.
Hier werden wirtschaftliche Kenntnisse vermittelt, Hygiene-Standarts (je nach Tätigkeitsgebiet) besprochen. Auch wird geklärt, welche kulturelle Eigenheiten die Mutter aus ihrem "Stamm" mitbringt und wie diese reibungslos integriert werden können oder manche Änderungen erforderlich wären.
Eine Anschub-Finanzierung mit Spenden von Interessenten und Benefiz-Trommelkonzerten aus Bad Essen ermöglichte den Beginn.

 

Der weitere Verlauf...  

Da die Kinder im Obdachlosenheim betreut werden und eine nahe gelegene Schule besuchen können, sind die Mütter von allem in der Anfangszeit frei, um sich in ihre selbständige Tätigkeit einzuarbeiten und einen Kundenstamm aufzubauen.
Dieses ungewöhnliche Hilfsprojekt schweißt die Mütter zusammen und motiviert sie zur gegenseitigen Unterstützung. Da es noch reichlich Bedarf für weitere Angebote dieser Art in Jaunde gibt, freuen wir uns über jede einzelne Spende, die den Müttern direkt zu Gute kommt und in die Selbständigkeit hilft.

 Unsere bisherigen Hilfsprojekte 

1. Secondhand-Kleidungsverkauf am Marktstand: 

Wenn eine Mutter keine berufliche Ausbildung hat, bekommt sie einen Marktstand zum Verkauf von Secondhand-Kleidung auf einem der großen täglichen Stadtmärkte in Jaunde.
Für den AADR-Betreuer heißt das, ca. 3 Tage geduldig im Rathaus warten, bis der Verantwortliche für die Marktplätze sich die Zeit nimmt, mit ihm nach einem freien Platz zu suchen. Dann wird das amtlich registriert und die Standplatzgebühr muss entrichtet werden. Der AADR bezahlt 6 Monatsmieten im Voraus (z.Zt. 8,30 Euro monatl., 50 Euro für 6 Monate). Danach übernimmt die Verkäuferin die Zahlung. Es gibt Randplätze, wo die Ware am Boden verkauft wird und Innenplätze, die einen Holzstand erfordern. Man nimmt, was frei ist. Eine Regenplane muss immer griffbereit sein, weil wir hier in der Regenwaldzone sind.
Nachdem die zukünftige Verkäuferin eine 1-wöchige wirtschaftliche Schulung bei Herrn Ayissi durchlaufen hat, geht dieser mit ihr zum Großhandel für Secondhand-Kleidung. Dort wird sie informiert, wie sie sich den Verkäufern gegenüber verhalten muss, um nicht abgezockt zu werden. Günstige, passende Ware wird eingekauft. 
Der AADR leistet nur den Erst-Einkauf, i.R. ca. 100 Euro. Beim 2. und 3. Einkauf wird sie nochmal begleitet, bis sie sicher auftreten kann. Wenn gute Auswahl vorhanden ist, entscheidet sie, ob sie Baby-, Sport-, Männer-, Frauen-, Kinderbekleidung oder Unterwäsche, Bh`s, Socken einkauft. Es hängt auch davon ab, wie viel Geld sie erwirtschaftet hat und ausgeben möchte.
In der 1. Verkaufswoche wird die Verkäuferin vom AADR-Betreuer begleitet, bis sie mit diversen Verkaufsstrategien vertraut ist und der Konkurrenz standhalten kann. 
Diese Marktfrauen brauchen zwischen 10 und 18 Monate bis sie genug erwirtschaftet haben, dass sie mit ihren Kindern aus dem Obdachlosenheim ausziehen können, in eine selbst finanzierte Unterkunft. Jede dieser Mütter nutzt dankbar ihre einmalige Chance, die sie vom AADR bekommt und hat dank der regelmäßigen Betreuung den Mut, auch in weniger einträglichen Zeiten weiterzumachen.


2. Friseurshop:

Damenfriseurin ist derzeit in Jaunde die beliebteste Berufsbranche. Es muss keine reguläre Ausbildung nachgewiesen werden. Entscheiden sind das Können, die Kreativität, die Geschäftstüchtigkeit und die Ausstrahlung.
Neben den Friseurinnen mit regulärer Ausbildung gibt es Mütter, die von klein auf im großen Familien- und Freundeskreis die traditionellen Haargestaltungstechniken gelernt und praktiziert haben. Jetzt trauen sie sich, einen Friseurshop zu führen, wenn sie durch Anschubfinanzierung und Betreuungsbesuche unterstützt werden.
Vielfältige Haarkreationen zu kleinen Preisen sind höchst gefragt, es finden sich täglich Kunden.

Dadurch dass die Haare von Schwarzafrikanern sehr fest und stark gekraust sind, unterscheidet sich hier das Friseurhandwerk deutlich von unserem europäischen. Das Haar wird entweder mit Weichmacher geglättet, geschnitten und geformt - oder das relativ kurze Haar wird zu einer festen Spirale an der Kopfhaut geflochten. Auf diese Spirale werden Kunsthaare genäht - ein langwieriger, schmerzhafter Vorgang, für den die Kunden gut bezahlen. Natürlich gibt es auch viele Variationen von Rasta-Zopf-Frisuren.

Für diese Tätigkeit muss eine passende, sehr preiswerte Räumlichkeit gefunden werden, in belebter Geschäftslage. Das zu finden dauert 1-4 Wochen. Sowohl die Friseurin als auch die AADR-Betreuer gehen auf Suche. Die derzeitige Miethöhe beträgt zwischen 40 und 45 Euro pro Monat. Vom AADR werden 4 Monatsmieten vorfinanziert. Ab dem 5. Monat muss die Friseurin selbst die Miete bezahlen.

Aufgabe des AADR ist u.a. sie zu ermutigen, immer etwas von den Einnahmen zur Seite zu legen für diesen Übergang in die eigenverantwortliche Selbständigkeit.
Gemeinsam mit der Friseurin werden die benötigten Geräte und Mobiliar (secondhand) und Produkte ausgesucht und gekauft, für ca. 250 Euro. Eine gute Auswahl an Kunsthaar und Schmuckelementen ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Start.

Alle bisherigen Friseurinnen sind sehr zufrieden mit ihrer selbständigen Tätigkeit. Innerhalb von 8-12 Monaten können sie aus dem Obdachlosenheim in eine eigene finanzierte Unterkunft umziehen.


3. Shop für Kopier- und Schreibservice:

 

Innerhalb der ersten 3 Jahre wurden vom AADR 23 Projekte aufgebaut. Drei davon sind ein Shop für Kopier - und Schreibservice.
Im Obdachlosenheim wurde im Schnitt jährlich eine Mutter aufgenommen, die eine gute Ausbildung als Sekretärin incl. gründlicher PC-Kenntnisse hat. Intensive Erstgespräche führten zu der Idee, eine Selbständigkeit im Bereich Kopier- und Schreibservice aufzubauen. Das hat sich inzwischen bewährt.
Dafür ein geeignetes Service-Lokal zu finden, ist für die AADR-Betreuer am aufwändigsten. Es muss ja günstig sein - entweder ganz nahe bei einer Universität, wo viele Studenten den Service nutzen können - oder im Stadtzentrum, in der Nähe von Behörden und Anwälten, wo Passanten auf der Straße diesen Service sehen und nutzen.Im Laufe der Zeit findet die Sekretärin heraus, in welchen Zeit-Intervallen sie Kundschaft erwarten kann und welches die "mageren Zeiten" sind, die man mit Geduld durchsteht und dafür bisherige Einnahmen aufbewahrt.
Die Ausstattung mit PC, Drucker mit Kopier- und Scanfunktion, Tisch, 2 Stühle (alles secondhand), plus Kopier- und Schreibzubehör, ist die kostenintensivste von allen 4 Projektbereichen, ca. 300 Euro. Die Monatsmiete beläuft sich auf ca. 60 Euro und wird für 4 Monate vom AADR vorfinanziert. Danach übernimmt die Sekretärin die Miet- und weiteren Zubehörkosten selbst.
Diese 3 Sekretärinnen sind sehr dankbar, so einen würdigen und doch schlichten Arbeitsplatz zu haben, den sie mit eigenem Engagement erfolgreich gestalten können.  

 

4. Näh-Atelier:

Die Schneiderin Frau Owona war (gemeinsam mit einer Friseurin) die erste Mutter-in-Not, die Herr Ayissi im Obdachlosenheim kennen lernte.
Sie war 24 Jahre alt, hatte 4 Kinder, kam aus einem anderen Stamm (als die zu Jaunde gehörigen Menschen) und war sehr schüchtern. Sie traute sich eine eigene Arbeitsstelle zu, wenn sie nicht damit alleine gelassen würde. Eine ungewöhnliche Situation ergab sich, als ein Raum, passend für die Friseurin gefunden wurde, der aber zu groß und zu teuer für ein Projekt war.
Also beschlossen die AADR-Betreuer mit den beiden Müttern, dass sie gemeinsam darin arbeiten.Da die Friseurin eine sehr tüchtige, selbstbewusste Einheimische ist, konnte sie der Schneiderin von Anfang an in vieler Hinsicht helfen.
Die Schneiderin hatte erst mal kaum Kundschaft und bekam daher 3 schöne Stoffe gesponsert, aus denen sie Modellkleider nähte - ihr "Aushänge- und Werbeschild". Ab dann lief es. Allerdings lassen Kameruner i.a. nur zu bestimmten Anlässen nähen z.B. Schulbeginn (Uniform), Hochzeitsgesellschaften, traditioneller Frauentag, ect.. Es gibt also Stoßzeiten, in denen die Schneiderin unter Umständen Tag und Nacht näht und dann wartet sie wieder auf Aufträge.
Das ist der Grund, warum viele junge Frauen jetzt Friseurin sind und die Schneiderei gar nicht mehr beliebt ist. Sie ist bis heute die einzige Schneiderin bei den AADR-Projekten.
So kommt es auch, dass sie 20 Monate brauchte, bis sie aus dem Obdachlosenheim ausziehen konnte. Sie freut sich weiterhin darüber, dass sie ihren stabilen Arbeitsplatz im Friseurshop hat.Der AADR finanzierte für die Erstausstattung eine Nähmaschine, einen Tisch und zwei Stühle (secondhand), Stoffe und Nähzubehör, alles zusammen für 230 Euro, plus die anteilige Raummiete für 6 Monate, 140 Euro. 
 

 

        Fr. Angue bei der Übergabe